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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Alles was sonst mit Eishockey zu tun hat
Böcky #75 Offline

1. Mannschaft

Beiträge: 1.350

29.04.2009 17:30
Quo Vadis Oberliga Zitat · antworten
Quo Vadis Oberliga – Von der höchsten Liga zur Paria
Mittwoch, 29. April 2009
Sechs mit Gummi die eishockey.net-Kolumne. 60 Jahre ist es her, da wurde der EV Füssen Meister der Oberliga und damit deutscher Eishockeymeister. Die Oberliga war die höchste Klasse im deutschen Eishockey, bis Sie zur Saison 1958/1959 durch die Bundesliga abgelöst wurde. Die Oberliga war nunmehr zweitklassig. In den Jahren 1966 bis 1970 folgte eine weitere Beschneidung, die Aufteilung in Nord- und Südgruppe. Schließlich wurde 1973 die 2. Bundesliga eingeführt. Die Oberliga war nur noch drittklassig , wieder aufgeteilt in eine Nord- und Südgruppe. Die Odyssee der Oberliga begann. Von 1985 bis 1987 gab es zusätzlich eine Oberliga Mitte. Mit Einführung der DEL zur Saison 1994/1995 verschwand die Oberliga gänzlich.

Die Wiedergeburt erfolgte zur Saison 1999/2000, als man die seinerzeitige 1.Liga wieder in Oberliga umbenannte (nach wie vor drittklassig). Die Mitglieder waren seinerzeit

Oberliga Süd:

ETC Crimmitschau , EV Regensburg, EHC Straubing, ESV Bayreuth, EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm, EV Landshut, TSV Erding, Deggendorfer EC, EHC Bad Aibling, ERC Selb, ERC Haßfurt, ERSC Amberg, TEV Miesbach, 1.EV Weiden;

Oberliga Nord:

EV Duisburg, REV Bremerhaven, Ratingen Ice Aliens, ESC Erfurt, EHC Wolfsburg, Adendorfer EC, KEV Hannover, Dresdner Eislöwen, Gelsenkirchener EC, EC Timmendorfer Strand, EHC Neue Eisbären Berlin, Herner EV, Jungadler Mannheim, VERC Lauterbach.

Während die erste Saison noch mit vier Absteigern (je 2 Nord und Süd) sportlich endete, schoss die zweite Saison mit fünf außerordentlichen Absteigern den Vogel ab. Daneben stiegen noch weitere drei Vereine sportlich ab.

Die Saison 2001/2002 wurde wieder eingleisig ausgetragen und endete mit vier Absteigern, davon einer sportlich. Von den 14 Teilnehmern waren lediglich drei, die nicht aus dem Bereich Bayern kamen.

Die Saison 2002/2003, erstmals unter dem Dach der Eishockeyspielbetriebsgesellschaft (ESBG) endete mit vier Absteigern, davon drei durch Insolvenz.

Die nächste Saison brachte lediglich 2 Absteiger, davon Selb durch Insolvenz.

Die Saison 2004/2005 brachte einen neuen Höhepunkt. Haßfurt hatte während der Saison zurückgezogen wegen Insolvenz. Abgestiegen sind dann die Blue Lions Leipzig wegen Insolvenz, der ERV Schweinfurt wegen Lizenzentzug, der BSC Preußen Berlin wegen Auflösung, der ESV Hügelsheim zog sich zurück und der Höchstadter EC schaffte es tatsächlich sportlich nicht.

20005/2006 gab es keinen sportlichen Absteiger. Die Abstiegsregelung trafen die Insolvenzverwalter in vier Fällen.

2006/2007 wurde im Dezember die Ratingen Ice Aliens vom Spielbetrieb in der Oberliga ausgeschlossen. Einen Absteiger gab es sonst nicht.

In der Saison 2007/2008 traf es lediglich den EHC Erfurt (sportlich).

Zur jetzt abgelaufenen Saison 2008/2009 verzichteten gleich drei Vereine auf ihr Aufstiegsrecht. Als Absteiger traf es den TEV Miesbach. Die Blue Lions Leipzig dürfen trotz Insolvenz in der Oberliga weiterspielen.

Auch wenn diese Aufzählung langweilt, so gibt sie doch die Probleme der Oberliga treffend wieder.

Die Krise der Oberliga heute

Betrachtet man die letzten 10 Jahre, dann war die Oberliga geprägt von Insolvenzen, Ausschlüssen, Rückzügen. Sportlich absteigen war schon schwer. Deshalb kam es zuletzt häufiger vor, daß sportlich qualifizierte Vereine aus den Landesverbänden nicht mehr ihr Aufstiegsrecht wahrnamen.

Die Gründe sind vielfältig. Zum einen gibt es in Europa keinen anderen Eishockeyverband, der sich eine professionelle 3. Liga mit 54 bzw. 62 Vorrundenspielen leistet. Die Kosten für die Reisen durch die Republik sind zwischenzeitlich ein Faktor geworden, den man nicht einfach unter den Tisch kehren kann. Durch diese Reisen ist es den Vereinen fast nicht mehr möglich Spieler auf semiproffesioneller Basis zu gewinnen, die einfach Hobby mit Beruf/Studium verbinden wollen. Ergo müssen Vollprofis her, die der Sache Oberliga nicht mehr gerecht werden. Mannschaften mit guter Nachwuchsarbeit können unter Umständen noch einen Juniorenblock stellen, um so die Gehaltskosten zu senken.

Vereine mit nichtbayerischem Ursprung fehlt hinsichtlich des Nachwuchses schlichtweg die Klasse.

Die Südteams sind eher in kleineren Gemeinden beheimatet. Abgesehen davon, daß viele Sponsoren aufgrund der wirtschaftlichen Lage zur Zeit andere Probleme haben, stehen die Sponsoren in diesen kleinen Gemeinden nicht eben Schlange. Das hat vielfach auch mit einem Glaubwürdigkeitsproblem zu tun, auf das ich später noch näher eingehe. Daß die Südteams den Kostenfaktor Reise reduzieren wollen und müssen, dürfte klar sein. Das sich das nur durch eine mehrgleisige Struktur darstellen lässt ist ebenso einleuchtend.

Für die Saison 2009/2010 ist die Teilung der Oberliga in eine Südgruppe (Bayern und Baden-Württemberg) mit mindestens 10 Teilnehmern sowie eine Nordgruppe (Rest der Republik) mit mindestens 8 Teilnehmern avisiert. So zumindest ein Beschluss der ESBG. Doch schauen wir uns doch einfach mal die Situation der qualifizierten Teams an. Dann wird schon deutlich, worin ein weiteres Dilemma liegt.

Gruppe Nord:

Blue Lions Leipzig, wegen Insolvenz eigentlich abgestiegen. Warum sie dennoch entgegen den eigenen Durchführungsbestimmungen Oberliga spielen sollen ist nur der Tatsache geschuldet, daß für die Oberliga krampfhaft nach Vereinen gesucht wird. Ein weiterer Tropfen also, der die Glaubwürdigkeit der ESBG aushöhlt. Dazu kommen die Piranhas Rostock, Saale Bulls Halle, Rote Teufel Bad Nauheim, Eisbären Juniors Berlin, Herner EV, also bisher 6 Vereine.

ECC Preußen Berlin, wollen nur dann spielen, wenn mindestens 10 Vereine und mindestens Rostock und Halle in der Oberliga Nord spielen.

EHC Dortmund, ist sportlich aufgestiegen und hat entsprechende Lizensierungsunterlagen bei der ESBG eingereicht.

Young Lions Frankfurt als bestplatzierter Hessenvertreter. Die sportliche Farce sollten sich die Hessen nicht antun. Sie haben sich bisher auch noch nicht geäußert.

EHC Braunlage hat bereits verzichtet.

Füchse Duisburg behält sich vor, eventuell sich auch die 2. Liga auszusuchen. Waren die Füchse schon die Farce der DEL, so werden sie diesen Posten auch im Bereich der ESBG bekleiden. Auch hier von Glaubwürdigkeit oder Planungssicherheit keine Spur.

Gruppe Süd:

EV Landsberg, EV Füssen, EHC Klostersee, EC Peiting, Deggendorf Fire, EHF Passau Black Hawks, EC Bad Tölz als wirtschaftlicher Absteiger aus der 2. Liga, der ESV Hügelsheim als Aufsteiger aus dem Landesverband Baden-Württemberg.

Die Starbulls Rosenheim wollen eigentlich nur dann Oberliga spielen, wenn die Teilung in trockenen Tüchern ist.

Die Bayernligisten ERV Schweinfurt und die TSG Peißenberg hatten schon dankend abgelehnt mit einer beachtenswerten Presseerklärung.

Zur Zeit haben sich also 7 Vereine für den Norden bzw. 8 für den Süden gefunden. Es ist also bis heute nicht bekannt, wie die Beschlüsse der ESBG zur Saison 2009/2010 umgesetzt werden können.

Zur Glaubwürdigkeit und Planungssicherheit durch die ESBG trägt es nicht gerade bei, wenn


die ESBG ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat. Bis heute ist nicht bekannt in welcher Struktur die Saison 2009/2010 durchgeführt wird;
die Vereine zur Einreichung der Lizensierungsunterlagen auf das Blaue hinaus bis zum Ende dieses Monats genötigt werden. Wie sollen die eigentlich planen?
krampfhaft Vereine gesucht werden à la Leipzig, eine Ohrfeige für seriös wirtschaftende Clubs.
Genauso interessant wie völlig daneben sind dann die Aussagen des DEB-Präsidenten Uwe Harnos mit seinen Äußerungen
Zur Aufstiegspflicht. „Wenn sich jeder seine Liga aussuchen kann, haben wir keine Chance für eine vernünftige und verlässliche Ligenstruktur“. Das ist schon Dummschwätzerei, hat er doch, wie auch immer, entgegen den eigenen Durchführungsbestimmungen Leipzig durchgesetzt.
Zur Verbannung der „Unwilligen“ in die unterste Liga des jeweiligen Landesverbandes. Das ist die Fortsetzung der Dummschwätzerei wider besseres Wissen. Die Regelung des Aufstiegs in die Oberliga regeln die Landesverbände eigenverantwortlich. Ein Verzicht ist ausdrücklich zugelassen.
Die Drohung einer Karenzzeit von 3 – 5 Jahren für eine weitere Bewerbung in den Bereich der ESBG. Eine weitere hohle Phrase.
Zum Gespräch mit dem Aufsichtsrat der ESBG, dem Oberliga-Sportausschuss, den Oberligisten und Vertreter der Landesverbände. Das funktioniert seit über 30 Jahren nicht, weil sich schon die Vereine untereinander und die Verbände nicht grün sind. Bis heute war keine Partei oder Interessenvertreter bereit sich zurückzunehmen zum Wohle des Ganzen.

Es wird also darauf hinauslaufen, daß die nächste Saison wieder eingleisig durchgeführt wird, mit allen Pleiten, Pech und Pannen, genau so, wie es die Vereine, die Fans und Sponsoren eigentlich nicht haben wollen.

Fazit

Die Eliteliga ist zur Paria des Deutschen Eishockeys verkommen. Wenn man sich dieser Tatsache bewusst ist, dann ist es nur konsequent, die Oberliga, die so keiner haben will, zu beerdigen.

Die 3. Liga gehört in die Hände der Landesverbände, möglichst aufgeteilt in vier Gruppen. Das diese Struktur für etablierte Oberligisten eine Härte darstellt, ist nicht von der Hand zu weisen, stellen die künftigen Gruppen lediglich bessere Regionalliegen dar. Dennoch sollte man sich zu diesem Schritt bewegen, falls Interesse an einer Gesundung, an Glaubwürdigkeit und an Planungssicherheit des Eishockey-Unterbaus besteht.

Für eishockey.net: Jürgen Windeck
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